Blonde RedheadOkay. Hier spielt das Schlüsselwort “Kitsch” eine große Rolle. Bezeichnungen wie „schemenhaft skizziert“ und „kleine Details, große Gesten“ werden in den Raum geworfen, und tatsächlich, die Melange aus fragil-fließenden, poppig melancholischen Gitarrenfiguren a là Cocteau Twins oder The Cure fließen wie freischwebend, der zarten Gesangsstimme Kazu Makinos zum Dank. Die Wirkung eines Tracks wie The Dress lässt sich am besten mit anderen klassischen Liebeslieder wie Play For Today von The Cure verbinden, bittersüss und selbstquälend, aber effektiv: I Love You Even When You`re Cheating. SW und Spring And Summer Fall reichen zurück in die 1960er, zu Bands wie Love, sogar zu Iron Butterfly irgendwie, irgendwo, aber wesentlicher hier ist das elektronisch-wattierte Depeche-Mode Feel, also ziemlich 80er und freischwebend, so melodiös wie pathetisch. Die Wirkung der Songs von 23 basiert im Wesentlichen auf der ausgewogenen Produktion von Chris Coady, der schon Alben der YeahYeahYeahs und TV On The Radio produzierte, und hier sitzt auch die Crux: Klasse Sommerscheibe, lässt sich gut hören, sitzt quasi so angenehm im Ohr wie ein Tiramisu nach deftigem Hauptgang, so zuckersüss und schwer, wie sich die zwei Herren plus Dame dann aber dieses Konzept live gespielt vorstellen, dürfte nicht ohne Schwierigkeiten zu übertragen sein. Überhaupt, ABBA lässt sich wohl auch als Referenz nehmen, soweit sind wir schon, denn der Track Silently klingt verdammt nach deren Popschmachtfetzen aus den 70ern. Diabetiker sollten hier abstand halten, ansonsten gilt: Tranquillo Sunsrise, leicht bekömmlich, aber mit Vorsicht zu genießen, da sonst Brummschädelalarm. :: Blonde Redhead: 23 – 4AD/Beggars Group/Indigo
Blonde Redhead: 23
| hh 12 Apr 07 |



