Das Animal Collective geht seinen Weg. Die Gazetten schreiben, das Modell Superstartum klickt sich ein. Nun arbeiten die vier Animals aber auch nebenher recht fleißig und in wechselnden Projekten, eines davon ist neben den Terrestrial Tones das Duo Jane, welches Noah Lennox aka Panda Bear zusammen mit dem NYC DJ Scott Mou alias Queens seit etwa vier Jahren sporadisch vorantreibt.
Das jüngst in limitierter Form bei Psych-o-path erschienene Album »Coconuts« erscheint wie auch die CD-R Erstveröffentlichung als CD im 7-Inch Single Coverformat und enthält zwei psychedelische Dronemonsterstücke von jeweils etwa 25 Minuten Länge. Der spaceige Jam »Coconuts«, generiert aus Turntable, Electronics, Pedals und Vocals entstand bei der allerersten Begegnung von Noah Lennox und Scott Mou im Jahre 2002. Der Military-Beatboxrhythmus aus Throbbing Gristles »Discipline« unterstreicht den Industrial-Touch für die weitere psychedelische Geisterfahrt auf Acid. Nächtliche Magnetismen werden spürbar abstrakt und fast visuell beschworen - wie beim Hören in der unwirklich erscheinenden Atmosphäre im Zwielicht bei Tagesanbruch. Wie auch schon beim letzten regulär veröffentlichten Jane Album »Berserker« von 2005 vermittelt »Coconuts« hintergründig ein Gefühl der Entfremdung und flüstert schleichend »Paranoia, Paranoia!«.
Dabei soll sich »Das Ego mit seiner Forderung nach ständiger Belohnung auflösen im Ozean des Klangs, sich auf das eigene und eigentliche Gewicht verlassen und beschließen, nicht weiter gegen den Strom zu schwimmen, sondern sich treiben zu lassen in die Weiten des ozeanischen Kosmos, wohin auch immer die Klangwellen führen.« Zum Konzept Jane gehört Zen als gefühlte Religion genauso wie die verlangsamten Lebensstrukturen aus der
coconutsHippie-Kultur der 60er Jahre. Aber selbst ohne Bong in der Hand sollte der Effekt der auralen (Selbst-) Hypnose bei Jane eher als Tool der Befreiung zu begreifen sein. Diese Herangehensweise oder Handhabung der entschleunigten Flexibilität erscheint jedoch nicht nur unüblich im Werteterminus der westlichen Welt, sondern macht auch im höchsten Maße verdächtig. Alle westlichen Werte bauen auf Flexibilität und Mobilität, auf Permanenz sowie Austauschbarkeit auf und verlangen somit die Steigerung der vorgegebenen Schrittgeschwindigkeit. Ein determinierter Aktionismus als absoluter Zwang in der bunten Welt des Join-in Or Die, wobei der versprochene individualistische Ansatz der Verweigerung im Einzelfall Ausgrenzung und darbendes Nichterfolgreichsein ergeben. Der zweite Track bei »Coconuts« trägt den Titel »Ossie«, dessen psychedelische Referenz sich aus dem Klangkosmos von Kluster und Throbbing Gristle speist, wobei DJ Mou durch den Einsatz verschiedener Samples wie das Zirpen einer Heuschrecke die verfremdeten und elegischen Ethno-Echo-Gesangswolken auch durch Noahs Vocals transportiert und so ein ferner nebulöser Wiederhall der englischen frühachtziger avant-garde Formation 23 Skidoo entsteht, wie im trashig-perkussiven Voodoo-Song »The Gospel Comes To New Guinea«, der B-Seite von Last Words.


