LichensMit Omns, dem zweiten Album auf Kranky, verstärkt der Chicagoer Rob Lowe, Gitarrist bei 90 Days Men, Rhys Chatham, Alan Licht, Cloudland Canyons und White Light, den meditativen Charakter seiner Tracks aus Stimme und Gitarre generierten Multi-Tracks. Dabei lehnt sich ein Song wie Bune direkt an Fuzzbox-instruierte Klangkörper von Jimi Hendrix an, besonders an dessen posthum veröffentlichte Songfragmente wie Midnight oder Pali Gap, wobei Lowe aber seine Gitarren-Dubs klingen lässt wie ein von Aborigines gespieltes Didgeridoo. Der zentrale und stärkste Song auf Omns ist das fast 20-Minütige My Strong Witchcraft Living Spirit, hier entfaltet Lowe sein eigentliches Talent, die Eigenschaft, vollkommene und fast religiös geführte statische Ruhepole zu erzeugen, die nach nicht viel mehr fragen als nach einer eigenständigen und autarken, in-sich-ruhenden Identität. Lowe fokussiert sein Material eindeutig auf fernöstliche Werte, basierend auf Hinduismus, Buddhismus und Meditation. Dabei streift er traditionellen javanesischen Gamelan genauso wie die post-post modernen, digitalisierten, apostrophierten und mathematisierten Jazz-Strukturen des Chicago Underground Duos um Chad Taylor und Rob Mazurek. Was uns Rob Lowe heute zeigen kann ist eine Möglichkeit, zurück an den Quellort zu gelangen, zum Ursprung der Konzentration, der Musik. Nicht der historische Wert ist hier gemeint, sondern der persönliche, über die Identität geführte, hin zum Ich. Dem Zustand, Ursprünge an sich zu beanspruchen, haftet in der heutigen Zeit ja schon etwas Prätentiöses an, multipliziert mit all der überbordenenden Life-Style-Irionie, den alles beherrschenden Lakonismen, dem generell geforderten Überbau an konstant generierter Fake-Vernunft. Lowe entzieht sich diesem Überbau durch (künstliche) Verlangsamung, er atmet selbst seine Musik, und lässt dadurch auch den Zuhörer atmen. Omns beinhaltet zu allervorderst die Bereitschaft, das Risiko einzugehen, mit einem singularen, selbstreferentiell unerfahrenen Statement zu langweilen. Sich die Zeit zu nehmen für was-auch-immer ist heute fast zur Luxusstrategie deformiert, wobei nicht das tagtägliche öde Rumhängen in Szenecafes gemeint ist. Lowe versucht den Versuch, lineare Zeit verlangsamt in ein sich progressiv-erneuerndes Element zu verwandeln, so monströs sich dies auch anhören mag, zuweil im Zeitalter des Post-9/11. Die beiliegende DVD zu Omns zeigt Lowe live in einem Konzert von 2006 im Chicagoer Empty Bottle. Interssant ist hier zu beobachten, im Besonderen, wie Gestik und Haltung des Publikums sich in Lowes Konzentration überträgt, sich die Kraft seiner Performance aus den Antennen der Betrachter schöpft. :: Lichens: Omns - CD/DVD Kranky/Cargo
Lichens: Omns
| pe 10 Apr 07 |



