Sightings: Jazz Blows Me Out

Das Brooklyn Trio Sightings fächert gerne Klangpartikel auf, die tagtäglich unsichtbar frei schwebend in und um uns herum existieren. Das Nicht-Hörbare hörbar machen, auf Cinemascope gezogen, im Breiwandformat, ganz großes Kino, unfassbar, tja.  


sightings/photo:sightingssightings/photo:sightings Sie verweigern sich nun schon seit 10 Jahren mit konsequenter Ruppigkeit irgendeiner greifbaren, gefälligen Eingliederung ihrer verschachtelt fliessenden Soundskulpturen. Auch das neueste Album „Through the Panama“ (Ecstatic Peace/Load Records) stemmt sich bockig gegen alle Wahrscheinlichkeiten der Gravitation. Hier purzeln Soundwände unter- und übereinander, die Wall-Of-Sound Maestro Phil Spector ein ständiges Augezucken ins Gesicht zaubern würden. Handgezimmerte, abstrahierte Genmanipulation an der fernsten Outer-Rock-Basisperipherie ohne technisch aufgepeppten Firlefanz - am Ende bleibt der Raumklang – ein tuckerndes Pulsen und Rauschen.
1999 erschien auf Load Records das selbstbetitelte Debüt der Sightings. Es folgten Platten auf Labels wie The Smack Shire, Psych-O-Path und Riot Season. »Wir haben uns in Brooklyn anhand von Flyern kennen gelernt«, erzählt Richard Hoffman, der Mann am Bass. »Ich wollte einen Gitarrenspieler haben, der nicht Gitarre spielen kann und einen Drummer, der nicht Jahre lang Schlagzeug studiert hat« Mark Morgan und Jon Lockie melden sich. Hoffman stammt aus Providence. »Ich kenne die Szene dort: Arab On Radar, Six Finger Satellite, Lightning Bolt. Alles klasse Bands!« 1998 probte man erstmals als Sightings inmitten Richard Hoffmans frischbezogenem Wohnzimmer in einem Hinterhof Brooklyns. Richard Hoffman behauptet von sich, mit diversen unterbezahlten Jobs sein Geld zu verdienen, Mark Morgan arbeitete lange in einem Plattenladen, „Mr. Afro“ Jonathan Lockie ist wohl heute noch als Masseur in einem Fitness-Center in Manhatten angestellt.
Auch auf dem neuen, spaced-out Sightings Album »Through The Panama« lassen sich vereinzelt Referenzen zu Freestyle Jazz Musikern wie Miles Davis, Joe Henderson oder Alber Ayler finden. Da läge der Schluss nahe, dass Sightings ureigenste, sprunghaft rigide, atonale Intention aus einem Jazz-Umfeld stammen mag. Energisch schüttelt Mark Morgan den Kopf: »Nein, nicht wirklich. In der Tat, wir hassen diese überlangen Jams. Zu viel Jamming hat meiner Überzeugung nach den Rock’n’Roll in den letzten dreißig Jahren fertig gemacht - lieber übe ich mit dem Feedback der Gitarre an einem guten Verstärker« Und Drummer Jon Lockie lächelt mit einem Augenzwinkern: »Jazz blows me out, man!« Denn: »Meine Initialzündung war Keiji Haino. Damals war ich noch College Radio-Dj. Haino’s Musik hat für mich komplett den Tisch abgeräumt, danach wollte ich lange Zeit nichts anderes mehr hören«
Natürlich stand und steht man auf NYC-Borderline-No Wave Bands wie Mars und DNA. Und die frühen Neubauten. Jonathan Lockie: »Ich dachte: „Shit, man - those guys rule!“

Sightings Landung: 14. Juni in Berlin, in Kooperation mit Hooker Projects, Hobrechtstrasse 65. 21 Uhr.

 

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