Das 7-Mann Freeform-Kollektiv Sunburned Hand Of The Man entstammt der Boston Area, genauer gesagt residiert Kopf und Gründer der Band John Moloney in Somerville, MA, einem nordöstlich gelegenen Suburb. Als Gastmusiker und einziger Engländer ist Mick Flowers vom Vibracathedral Orchestra heute im Berliner fave-dive West Germany mit dabei. Sunburned Hand Of The Mans Debut Album Shit Spangled Banner - eine konzentriert gespielte, aber wüst kollagierte geniale Orgie aus Noise, Prog-Rock, Psychedelia, Punk und Jazz-Elementen - sucht auch heute noch, als Re-issue auf dem bandeigenen Label Manhand veröffentlicht, nach einem passenden Äquivalent. Sunburneds beständiger Output an Livemitschnitten, Soundcollagen und Studiosessions in kleiner und
kleinster Auflage bringen jeden Fan in Verlegenheit, denn es zirkuliert inzwischen eine ähnliche Bandbreite an verschiedenen Alben in CD-, Vinyl- oder als Tape wie etwa - sagen wir mal - bei Fleetwood Mac.
Zu empfehlen wäre in jedem Falle das Debut Shit Spangled Banner, aber auch die psychedelische Cut-Up Collage als Spoken-Word-Mystery beim Basted Release No Magic Man, sowie das aktuelle Album Complexion (inzwischen wohl mehrfach von CD-Rs überholt). Complexion ist im Mai 2006 bei Very Friendly/Cargo erschienen. Dessen exzellenter Sound der Aufnahme datiert sich zurück auf den Oktober 2004, wobei uns Bassist Robert Thomas erklärt, dass die gesamte Musik von Complexion live mit einem einzelnen frei hängenden Mikrophon wärend einer Open-Air Session aufgenommen worden war.
Sunburned Hand Of The Man spielten kürzlich neben Acid Mothers Temple einen alternativen Soundtrack zu Ira Cohens Film The Invasion Of The Thunderbolt Pagoda ein, den die Band auch während der Europa-Tour live zum Video interpretiert.
In den frühen 70er Jahren befand sich Ira Cohen zusammen mit Leuten wie Angus MacLise, dem ersten Drummer der Velvets, für längere Zeit in Kathmandu, um auszusteigen, um Leben, Musik, Religion und Kunst zu vereinen und zu experimentieren. The Invasion Of The Thunderbolt Pagoda zeigt nun erstmals die einstigen Beautiful People in psychedelischen Gewändern durch die Nebelschwaden aus Opiumpfeifen wandern und tanzen, sich vor blumenbeschmückten Spiegeln groteske Make-Ups auftragen oder nackend im Schlamm eines ausgetrockneten Teichs zu wühlen. John Moloney betont mehrfach seine Roots als Punk, als Dropout, ihm liegt viel daran, mit Sunburned Hand Of The Man nicht in eine vorbestimmte Kategorie zu fallen. Kürzlich erst hatte ein Kollege in einem finnischen Musikmagazin den Sound der Sunburneds als "Folk-Musik" bezeichnet. Dies sei ganz und gar nicht der Fall, betont Moloney. Vielleicht mag ihm die Bezeichnung als psychedelisches Punk-Improvisationskollektiv passender erscheinen. Auf die Frage aber, auf welche Weise und mit welchen Besonderheiten sich Sunburned vom New York Kollektiv, der No Neck Blues Band unterscheiden, reagiert er ausweichend.
Das Konzert im West Germany beginnt mit einem achtminütigen Prelude, der Eröffnungssequenz aus der Thunderbolt Pagoda, wobei Sunburned betont ätherisch mit gedubbten Vocals und Percussions agieren. Danach scheint dem Verlauf einer freien Improvisation keine Grenzen gesetzt. Zuvor, dies sollte erwähnt sein, während des Soundchecks wird mit etwas grimmigem Humor, wohl weil der Hunger und die Erschöpfungszustände der Tour nagen, Neil Youngs Hymne "Hey, Hey - My, My" angestimmt. Später, während des gemeinsamen Dinners, und kurz vor der Show, fragen alle Sunburneds interessiert nach, man will über den Berlin-Bezirk Kreuzberg sowie über die Umstände des Mauerfalls informiert sein.
Sunburned Hand Of The Man live zu erleben elektrisiert und fordert, sie involvieren das Publikum auf gleicher Augenhöhe - Improvisation meint eben auch, als Zuschauer nicht gelangweilt hinten in der letzten Reihe zu stehen, sondern ein kleines Metallbecken, das als Perkussionsinstrument auf dem Kachelboden zwischen den Beinen des Publikums landet, den Takt betoned zurück zu werfen.





