Tiny Vipers: Hands Across The Void

tiny viperstiny vipersNach dem Hype ist vor dem Hype. Folksong è naturalmente. CocoRosie haben es vorgemacht, Joanna Newsom spielt im großen Saal mit dem Londoner Symphonieorchester, Folkmusik eignet sich eben sehr fürs Theater, für die großen Säle, die ausstaffiert sind mit Wänden aus rotem Samt. Weil Folksongs, wenn sie denn auf den Bauch-G-Punkt treffen, trotz oder gerade wegen der oft so sparsam eingesetzten Instrumentierung, Stimmungen erzeugen und verstärken können, die seltsam berühren, die genug Kraft haben, zu fokussieren, auszupendeln, den Nukleus zum Sammeln zu bringen. Das haben die Espers aus Philadelphia geschafft, im letzten Jahr, mit dem aussergewöhnlichen zweiten Album Espers II, und ebenso Meg Baird/Helena Espvall/Sharron Kraus mit ihrem sehr traditionellen Album Leaves From Off The Tree. Das Äquivalent zum Folksong wäre dann auch das laut, betont und rhythmisch gelesene Tagebuch, warum also nicht gleich dazu ein paar Akkorde auf der akkustischen Gitarre spielen? Joan Baez hat das gemacht, und Joni Mitchell ebenso. Hands Across The Void ist das Album Debut von Jesy Fortino aka Tiny Vipers, sie stammt aus Seattle, und ist seit etwa zwei Jahren unterwegs, in Coffeeshops zu singen und um danach ihre eigenen handgemachten CDs zu verkaufen. Uns so ist Hands Across The Void ein sparsames, aber sehr klares Album geworden. Ab und an, wie im Song Forest On Fire, füllen und verstärken Feedbackschlaufen den Ausdruck, oder ein Cellobogen unterstreicht im Song Downward. Beide Instrumente bleiben aber Kulissen im Hintergrund, sie wirken als die bestehende Grundfülle auf der Leinwand, dessen farbige Patina sich langsam fliessend und getragen von leichtem Wellengang im Strom fortbewegt. Ob Jesy mehr Spass haben würde in einem Leben sagen wir vor 300 Jahren beantwortet die 24-Jährige offen: Die Allgegenwart von übernatürlichen Dingen ließ die Menschen sich fragen, ob es wirklich Sinn machen würde, z.B. einen Ozean zu überqueren. Und dass nach wie vor Kräfte existieren, die weit gewichtiger erscheinen, als all unsere täglichen Angelegenheiten. Wer also auf Joanna Newsom steht, besonders auf deren Gesangsstimme, sollte sich mit dem bewegenden Album Hands Across The Void gut anfreunden können :: Tiny Vipers: Hands Across The Void - SubPop/Cargo.