object 47Lang, lang, lang ists her, Wire, die Punk Band der Stunde 77, und lang, lang, lang liegt ihr neuestes Album hier auf dem Tisch, Sommer 2008 war der Street Date, wir brauchen, halt, Zeit; wir, beide. 47 Objekte haben Wire in 30 Jahren abgeliefert, mal waren sie obenauf, mal unten, dann ganz unten, wieder oben oder meistens auch nur mittig, wie in den 8oern, nach dem ersten Bandsplit, 1985 in der Zeit der ersten Reunion, deren Basis und Motiv aber irgendwie unklar schien damals, weil nicht so recht Kurs genommen werden konnte, auf total experimentelles Zeugs entweder, oder doch eher auf die pop-eske Seite von Wire, wie in "The 15th" oder bei "Outdoor Minor". Heute, 30 Jahre später, spielt dies alles keine Rolle. Auch Wire, das Konstrukt als Band, spielt keine Rolle, so scheint es, im total obsessiv kommerziell operierenden Marketingfeld, young, stylish, sexy. Was machen Wire neben Amy Winehouse, neben Casiotones For The Painfully Alones, neben Crystal Castles, neben Battles und Fuck Buttons. Da kracht einem doch der Riss durch die Gesichtshälfte. Eine Band wie Wire aber neben Neil Young oder J. Mascis stellen in den Kontext bringt ja auch nix, weil da ja wohl eine Hirnhälfte fehlt, und die Historie ist eh am Arsch. Wohin damit, wohin nun mit einer Scheibe wie Object 47, die im Wesentlichen nicht viel schlechter ist als vieles, was nach 1980 von den Mitgliedern dieser Band kam. Ok, Colin Newmans A-Z Album klingt auch heute noch sauber, aber die beiden post-Wire comps brachten und bringen es auch heute nicht - weder "Turns & Strokes" noch "Document & Eyewitness". Sollte eine Band wie Wire nun einfach die Klappe halten und statt musikemachen designen wie ein jeder und exzentrische Stühle bauen und verkaufen? Nein, das wäre impertinent zu verlangen, wobei Wire schon 1978 die Frage aufwerfen durften, ob nicht Stühle fehlen irgendwo, irgendwann, irgendwem. Object 47 fragt nach der Legitimierung, schon im Opener "One Of Us", midtempo, aber mit ruppigem Beat, der Colin Newman typischen Bratzgitarre, fragen Wire "what happened to our plan, the one we began, are u an also-ran, finished-inconsequential? declining, divining, breaching, over-reaching". Tja, da fühlt man sich wie angebettelt auf der Strasse, besser gleich mal den Hals verrenken Richtung Schönwetter. Bruce Gilbert, der zweite Gitarrist bei Wire, hat die Band vor Object 47 verlassen. Wire, ein Trio nun, 30 Jahre nach der Revolution, 30 Jahre nach dem Punk Urknall. Und nun? Chris Douglas meint, Wire Object 47 klingt nach Midnight Oil, das ist weniger als nett. Und trifft auch nicht zu. Midnight Oil, INXS, Bob Geldof, Paula Yates..... wo kommen wir da hin. Nein, nein, Wire 2008 klingen immer noch nach Wire, Wire 1981 vielleicht, und das, so scheint es, ist die Katastrophe. Wohin damit in Zeiten wie diesen? Der Song "Four Long Years" kann die Lage ein wenig (auf)klären. "Collapse of concentration, a futility of words, a loss of false sensation, too fast, too slow, the operater does not know, with luck, with charme, the operator may succeed, impact, in fact, todays inspection may proceed". Der Operator, das ist nicht etwa die Band selbst, oder das Label, und auch nicht die Presse, oder etwa der Betrachter. Der Operator ist die Zeit, die da über uns hängt, die uns verschnurzt und somit ihren eigenen Regeln folgt. Vor 150 Jahren, schneidet sich ein Van Gogh ein Ohr ab, Edgar Allen Poe ertränkt sein "Misserfolg" in Rotwein, heute aber sitzen all die Schlaumeier auf vergoldeten abgeschnittenen Ohren. Wire 2008 sind Wire 1981, nicht mehr und auch nicht weniger. Unsere Dekade heute, die echt Echte jetze aber, dreht sich selbst besoffen im Kreisel, aber da heute ja ein jeder ein Schlaumeier sein will und muss, macht ein Kreisel mehr oder weniger doch nullkommanix an Rolle aus.
:: Wire/Object 47 - Pink Flag/Cargo.



